Duale Hochschule
Duales Studium

Die Generation Y: Wir wollen alles!

generation-y-veränderung-arbeitsmarktDie Alles-Anna stellt sich ihre Zukunft folgendermaßen vor: Sie will Familie, eine sichere, erfüllende, gut bezahlte Tätigkeit in einem Unternehmen, mit dessen Werten sie sich identifizieren kann, viel Zeit für Freunde, Reisen und Selbstbestimmung. Sie ist bereit, dafür viel zu geben – und wird in ihrem Leben wahrscheinlich ein ums andere Mal enttäuscht werden.

So fasst die Studie der Embrace-Agentur den Typ Mensch zusammen, der sich für ein duales Hochschulstudium entscheidet: Die Alles-Anna ist einer von fünf Studententypen, in welche die großangelegte Studie die heutige Studentenschaft unterteilt. Rund 3600 Studierende hat die Agentur für Employer Branding aus dem Bertelsmann Konzern zu ihren Vorstellungen befragt und kam zu dem Ergebnis, dass die Werte der Generation Y tatsächlich in der Studentenschaft vertreten sind – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaße.

Studie zu den Werten der Generation Y: anspruchsvoll und flexibel

Die fünf Studenten-Typen sind: Die Alles-Anna, der Sucher-Simon, der Karriere-Kai, die Familien-Franzi und der Helfer-Hannes. Alle Typen kommen in allen Studiengängen und allen Fächern etwa gleichmäßig verteilt vor – und sie eint vor allem Eines: Diese Generation ist anspruchsvoll. Anders als die Babyboomer oder die Generation X reicht es ihnen nicht mehr, einen sicheren Job, eine Familie und eine prestigeträchtige Arbeitsstelle zu haben. Stattdessen legt diese Generation Wert darauf, dass ihre Individualität sich entfalten kann, sie sich selbst bestimmen und verwirklichen können. Die Thesen über die Generation Y, die um die Jahrtausendwende im Teenageralter war und momentan ins Berufsleben eintritt, bestätigt auch die aktuelle, in der Wirtschaftswoche veröffentlichte Studie.
Flexibilität steht im Zentrum der Generation Y: Wer mit Smartphones und Laptops hantiert und seine Arbeit hauptsächlich digital erledigt, sieht es nicht ein, sich einem fremddiktierten Lebensrhythmus beugen zu müssen. Feste Bürozeiten? Fehlanzeige. Sinnentleerte Tätigkeiten? Fehlanzeige. Ein hohes Gehalt als Ausgleich für viele Opfer im Privatleben? Fehlanzeige. Die Generation stellt Ansprüche und kann es sich leisten, weil sie im Schnitt sehr gut gebildet ist. Für sie ist materieller Wohlstand selbstverständlich – und dementsprechend wollen sie mehr.

Oh, Boy, was will ich wirklich?

Innerhalb dieser Generation versucht nun die Studie, mit ihrer Typologisierung Unterscheidungen vorzunehmen. Die ehrgeizige Alles-Anna mit ihren hochgesteckten Erwartungen, der Karriere-Kai mit seiner Opferbereitschaft, der Helfer-Simon mit seinem Drang zur gesellschaftlich relevanten Selbstverwirklichung – sie alle sind Ausprägungen und Folgen einer Generation, denen eine feste Arbeitsstelle nicht mehr reicht. Wer keinen echten materiellen Mangel kennt, gibt sich eben nicht mehr so schnell zufrieden. So lässt der Sucher-Simon sich im Studium Zeit, seine Werte zu finden, und hängt vor allem die Work-Life-Balance hoch, und die Familien-Franzi leistet es sich, Wert auf ein besonders familienfreundliches Unternehmen zu legen und sich dieses auszusuchen.
Bezeichnend für die Stimmung dieser Generation ist der Berliner Kultfilm Oh Boy: Tom Schilling irrt orientierungslos durch Berlin, trifft suchende Figuren, die vor allem eines wollen, und zwar irgendwo sein, wo es sich genau richtig anfühlt. Dass sie dabei Umwege in Kauf nehmen, viel zu viel nachdenken und auch mal vor wirkliche Probleme gestellt werden, etwa, wenn der Vater den Geldhahn zudreht, machte diesen Film in der Generation so immens erfolgreich. Denn die Generation Y ist auch humorvoll und selbstironisch.

Verändert die Generation Y den Arbeitsmarkt?

Für die Zukunft der Arbeitswelt bedeutet die Generation Y eine Herausforderung. Unternehmen werden sich den individuellen Anforderungen ihrer zukünftigen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen anpassen müssen – und erstellen deshalb solche Typologien, um Talente besonders geschickt ködern und halten zu können. Denn die Alles-Anna, die Ausbildung, Studium, Familie, Freunde und Zeit für sich versucht zu vereinen, wird von ihrem Arbeitgeber fordern, dass er ihr das zugesteht. Und sie wird bei ihrer Jobsuche gezielt nach Unternehmen suchen, die ihr solche Möglichkeiten anbietet.

Ob und wie die Generation Y die Arbeitswelt verändern wird, ist momentan noch unklar: Zunächst studiert die Generation noch, schlägt sich mit Praktika und prekär bezahlten Arbeiten durch, gründet erste Unternehmen und beginnt erste, befristete Verträge. In ein paar Jahren wird absehbar sein, ob sich durch sie etwas verändert hat – oder die Generation sich ändern muss, um ihre Werte und Vorstellungen dem real existierenden Arbeitsmarkt anzupassen.

Foto: Sebastian Bernhard / pixelio.de